Worin aber nun das außenpolitische Profil Westerwelles besteht, erfährt man bei Lau auch nicht. Anstelle einer Westerwelle-Agenda präsentiert Lau bloß eine Reihe von Ideen, die derzeit in FDP-Kreisen gehandelt werden:
Wenn man sich dieser Tage bei den Liberalen umhört, was denn ihre Außenpolitik nach dem Ende der bipolaren Welt ausmachen soll, mangelt es nicht an Vorschlägen: Klaus Kinkel und HansDietrich Genscher mahnen, Obamas Abrüstungsinitiative zur »globalen Null« zu unterstützen. Werner Hoyer wirbt dafür, beim Umgang mit »erfolgreichen Autokratien« wie Russland und China Aufklärung und Menschenrechte selbstbewusster zu vertreten. Parteisprecher Robert von Rimscha sagt, man müsse endlich Asien und Lateinamerika ohne die Drittweltbrille neu anschauen. Der EU-Parlamentarier Alexander Graf Lambsdorff hält es für das Gebot der Stunde, die Osteuropäer endlich genauso zu behandeln wie die Nachbarn im Westen.Was aus diesem Potpourri ein Außenminister Westerwelle zur Priorität machen könnte, bleibt bei Lau offen. Er vermutet lediglich, dass Lambsdorff "einen Nerv" des neuen Außenministers zu treffen "scheint".
Lau zitiert auch einen Beamten des Auswärtigen Amtes:
»Wir sind jederzeit in der Lage«, sagt ein führender Diplomat, »Herrn Westerwelle von null auf hundert zu bringen.«Lau's Artikel ist gegen diese Sicht Westerwelles geschrieben: "Bei null müssen sie nicht anfangen". Ob das so ist oder nicht, bleibt allerdings auch nach Lektüre von Lau's Stück offen.
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